Nisthilfen für Hummeln - Grundsätzliches & Voraussetzungen

Nisthilfen für Hummeln
Teil I

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Zusammenfassung

Teil 1 - Gut zu wissen:
Von den rund 30 Hummelarten sind die meisten vom Aussterben bedroht. Grund genug, den eigenen Garten kritisch zu durchleuchten - mit einfachen Mitteln wie einem Totholzhaufen oder Komposthaufen kann man diesen (und anderen) Tieren unter die Arme greifen. Speziell für Hummeln gibt es Hummelnistkästen, die man selber bauen und ohne Genehmigung aufstellen kann, darf und sollte. Die Hummelhaltung macht nicht viel Arbeit; bedarf jedoch u.U. (wenn man aktiv Hummeln ansiedeln möchte) eine Genehmigung.

Abkürzungen zu den Themen dieser Seite:
Ergänzende Informationen aus anderen Bereichen:

Hummeln sieht man doch häufig - wo ist das Problem ?

Nur wenige Hummelarten sind es, denen man häufig begegnet - um die sechs Arten kann man im städtischen Raum regelmäßig im Garten beobachten. Doch es gibt tatsächlich um die 30 Arten.
Viele dieser hochgradig bedrohten Arten sind als "Hummeln der offenen Landschaft" auf naturbelassene Wiesen angewiesen und sind vor allem durch die intensive Landwirtschaft bedroht.
So können diesen Arten nur Nisthilfen zugute kommen, die in ihrem Habitat angeboten werden - wer also in Kleinstädten, Randgebieten oder wortwörtlich auf dem Lande lebt, kann diesen Arten mit Nisthilfen unter die Arme greifen. Der Städter wird dahingegen nur eine kleine Auswahl an Hummelarten zu Gesicht bekommen. Es sind dies Arten, die besonders flexibel und anpassungsfähig in Bezug auf Nahrungsgrundlagen und Nistplätze sind.
Denn Städte sind ganz anders - hier werden Mäuse und ihre Nester bekämpft, "wilde" Gärten nicht toleriert und unberührte Komposthaufen oder "unordentliche Ecken" mit Holzstapeln und Strauchwerk umgesetzt und aufgeräumt. Als Gartenbepflanzung werden anschließend Koniferen, Tannen, Tulpen oder Rasen in Fußballplatzqualität gewählt - die für die Hummeln viel attraktiveren "Unkräuter" wie Natternkopf und Königskerzen werden dafür ausgerissen und untergegraben.
Doch die städtischen Hummelarten sind anpassungsfähig - sie nisten im Isoliermaterial hinter Verschalungen, auf Dachböden oder in Vogelnistkästen. Plätze, an denen sie nicht immer gerne gesehen werden.
Und noch einen Vorteil bietet die Stadt - rund um das Jahr sorgen Menschen dafür, daß es blüht. Unter vielen unnutzbaren "Nahrungsquellen" wie z.B. gefüllte Blumenzüchtungen ohne Pollen und Nektarien finden sich auch sorgfältig gehegte Rosen- und Kräutergärten. Gerade im Sommer kann es so eine "Stadthummel" sogar besser haben als ihre auf dem Lande lebende Verwandte - wenn dort die großen Monokulturen verblüht sind, leiden die Hummeln dort oft mangels blütenreicher Saumstreifen Hunger.
So kann der Städter nur indirekt die Artenvielfalt der Hummeln zu bewahren helfen:
In dem er z.B. Produkte aus ökologischem Anbau kauft und sich deutlich gegen die intensive Landwirtschaft ausspricht.
Er kann sich aber überlegen, ob er nicht Hummeln und anderen Arten etwas mehr Platz im Garten einräumt und damit auch vorbildhaft dazu beiträgt, daß Nachbarn, Bekannte und vor allem die eigenen Kinder diese Tiere wahrnehmen und zu schätzen lernen. Denn nur was man kennen lernt, wird man auch schützen wollen.
Dieser umweltpädagogische Aspekt macht die gezielte Ansiedlung und Pflege von Hummeln besonders für Schulen, Umweltbildungseinrichtungen und Umweltvereine interessant:

  • Hummeln sind Sympathieträger (Jeder kennt die dicke, gemütliche Hummel und die meisten trauen ihr nicht einmel den Stachel zu)
  • Hummeln sind weitgehend unbekannt (viele wissen weder, daß die Völker einjährig sind, noch das sie ebenfalls eine Königin haben)
  • Hummeln benötigen einen geringen Pflegeaufwand und macht sie zu einer guten Alternative zu Bienenschauvölkern
  • Hummeln sind ökologisch und ökonomisch bedeutend (Hummelzucht, Bestäubung von Gewächshausgemüse, etc.)

Rahmenbedingung: der natürliche Garten ?

Wer diese gemütlich wirkenden Insekten in seinem Garten begrüßen möchte, sollte in erster Linie überprüfen, in wie weit er natürliche Nistgelegenheiten bieten kann denn davon profitieren viele Insekten, Vögel und andere Mitbewohner - nicht nur die Hummeln.
So ein "natürlicher Garten" ist auf jeden Fall förderlich und ratsam wenn man Hummeln als Untermieter haben möchte. Selbst ein perfekt eingerichteter Hummelnistkasten wird vergebens auf die Besiedlung durch eine Königin warten, wenn er inmitten einer ökologischen "Wüste" steht.
Ideen dafür sind:

  • Natürliche, standortgerechte Wiesen (kein Rasen)
  • Totholzhaufen (dazu wird Holz, Reisig, Laub und Strauchschnitt abwechselnd locker an einer ruhigen Acke des Gartens geschichtet - eine Heimstatt für Hummeln, Igel und Bodenbrüter)
  • Komposthaufen
  • Gartenteich (an sonniger Stelle mit ausreichend Tiefe und ohne Fischbesatz oder Springbrunnen)
  • abwechslungsreiches, natürliches Blütenangebot (Wildkräuter und "Unkräuter" ohne die beliebten gefüllten Züchtungen oder tropischen Arten - wie wäre es mit der der Skabiose und Weide statt Amaryllis und Konifere ?)
  • Abwechlungsreiche Gartengestaltung mit allen "Extremen": sonnigen sandigen Stellen, schattigen Totholzhaufen, usw.
Diese Liste kann nur Stichpunkte liefern - es gibt dazu zahlreiche gute Websites auf die hier nur verwiesen werden kann.
Als Ergänzung speziell für Hummeln steht dazu der Hummelnistkasten bereit, mit denen man Hummeln gezielt ein Heim bieten kann.

Wo Kann man so einen Nistkasten aufstellen ?

Grundsätzlich überall wo es Hummeln gibt. Selbst Balkone, auch in größerer Höhe, sind geeignet, sofern man an den Blumenkästen Hummelköniginnen beobachten kann. Jedoch fördert nur eine reiche, vielfältige und hummelfreundliche Umgebung die Ansiedlung - siehe dazu auch weiter oben.
Bei der Aufstellung sollte man folgendes beachten:

  • Den Kasten nicht in der prallen Sonne aufstellen; am besten sind halbschattige Bereiche
  • Um die passive Einsiedlung zu unterstützen, ist ein reges Licht- und Schattenspiel auf der Frontseite und eine bodennahe Aufstellung von Vorteil. Auch eventuell vorhandene Vorbauten (Einflugkästchen) sollten entfernt werden um das Einflugloch frei und sichtbar zu halten.
  • Den Kasten abseits häufig begangener Wege oder Spiel- und Nutzflächen aufstellen.
  • Der Einflugbereich sollte nicht ständig von Passanten gekreuzt oder längere Zeit verstellt oder häufig und stark erschüttert werden. Im Gegensatz zu Bienen oder Wespen muß man jedoch bei Hummeln selbst im Sommer nicht mit regem Flugverkehr rechnen - daher ist nur eine kleine Ruhezone (ca. 1m Radius) notwendig.
  • Das Einflugsloch nicht der hauptsächlichen Wetterseite zuwenden.

Wieviel Arbeit macht so ein Hummelvolk ?

Eigentlich keine regelmäßige Arbeit, die Tiere machen alles alleine. Jedoch muß bei Nistkastenhaltung grundsätzlich mit Parasitenbefall, insbesondere der gefürchteten Wachsmotte gerechnet werden. Diese können einen Eingriff und eine Behandlung notwendig machen, um das Volk zu erhalten. Daher sollte man etwas Zeit für die Beobachtung erübrigen können und keine Scheu vor dem direkten Umgang mit den Tieren haben.
Leider sind gerade Völker in Nistkästen von diesem Parasiten betroffen und so mancher Hummelfreund hat es so den Spaß vertrieben. Nicht jeder teilt hier die Philosophie, daß auch die Wachsmotte als natürlicher Gegenspieler der Hummeln auch ihren Platz hat wenn er einen völlig zugesponnen und recht unappetitlichen Nistkasten reinigt.
Dies soll weniger als Abschreckung dienen als eher deutlich machen:
Bei der Ansiedlung in Nistkästen lauert Arbeit, Mühe und auch mal eine Enttäuschung - aber dafür auch Stolz, wenn man die ersten Königinnen ausfliegen sieht und das gute Gefühl hat, irgendwie "Mutter" oder "Vater" dieser nächsten Generation zu sein...

Woher bekommt man den Nistkasten ? Man kann ihn recht einfach selber bauen oder aber im Gartenfachhandel erstehen. Von der Fa. Schwegler gibt es Holzbetonnistkästen (Best.-Nr. 00 350/8), die sich gut bewährt haben. Sie sind allerdings recht schwer (Holzbeton) und nicht gerade billig. Alternativ gibt es Holzkastenbausätze nach dem Modell "Münden" bei www.bienenhotel.de oder gelegentlich fertige Kästen bei Naturschutzverbänden. Auch der in einer Galerie vorgestellte Kasten ist hier über www.hymenoptera.de zu beziehen.

Wird eine Genehmigung benötigt ? Für die Aufstellung des Kastens bedarf es grundsätzlich keiner Genehmigung und dei Aufstellung kann nicht verwehrt werden. Die passive Einsiedlung, d.h. das Warten auf Selbsteinnistung einer Hummelkönigin, ist ebenfalls ohne Probleme; ähnlich dem Aufhängen eines Vogelnistkastens.
Das aktive Einsiedeln durch Fangen und Einsetzen von Hummelköniginnen ist dagegen rechtlich umstritten. Laut Naturschutzgesetz ist das Fangen ohne "vernünftigen Grund" nicht statthaft, zudem handelt es sich bei Hummeln um streng artgeschützte Insekten.
Nun läßt sich argumentieren, daß das aktive Einsiedeln dem Artenschutz dienlich ist. Bisherige Erfahrungen zeigen, daß die örtlichen Naturschutzbehörden hier verschieden große Toleranz zeigen.
Es empfiehlt sich, diese rechtliche Grauzone rechtzeitig zu klären und vor dem aktiven Einsiedeln bei der örtlichen Naturschutzbehörde nachzufragen.
Die notwendige Qualifikation zum aktiven Ansiedeln sollte man sich jedoch grundsätzlich vorher durch Imker, örtliche Hymenopterendienste oder bei Schulungen (z.B. durch den NaBu auf Gut Sunder oder bei www.hymenoptera.de in Berlin) vermitteln lassen !

Welche Hummelnistkästen es gibt und welche geeignet sind erfahren Sie nun in Teil 2: Hummelnistkästen