Ungewöhnlich langer Lebenszyklus

Hallo,

dieses Jahr ist schon ein sehr kurioses Hummeljahr. Das Erdhummelnest, dass die Königin am 18. April begonnen hat, hat noch immer keine Jungköniginnen, das sind immerhin 4 1/2 Monate. Die größte Volksstärke war Mitte August mit etwa 350 Tieren erreicht. Nach den letzten Regentagen ist die Sammelaktivität heute wieder auf etwa 100 Trachtflüge/Stunde gestiegen, wobei etwa 3/4 aller Tiere auch mit Pollen zurückkommen. Die Zielstrebigkeit der Sammlerinnen sowie der Umstand, dass der Nesteingang nach wie vor bewacht ist und nur gelegentlich Larven aus dem Nest geworfen werden, deute ich so, dass der Staat in sich intakt ist und noch Geschlechtstiere kommen werden. Problem dürfte irgendwann die rapide abnehmende Anzahl Stunden mit Tageslicht werden, gegenüber Mitte Juni stehen hier in Hamburg mittlerweile immerhin fast 4 Stunden pro Tag weniger Sammelzeit zur Verfügung.
Vom Hummelsterben unter den Linden war der Staat, soweit sich das beobachten ließ, kaum betroffen gewesen, zu jener Zeit gab es auch nur etwas 80 - 100 Arbeiterinnen. Während im Mai / Juni nur extrem wenig Arbeiterinnen aufgezogen worden sind, kam die stake Vermehrung erst Ende Juli, Anfang August.
Mich würde interessieren, ob es auch anderswo so langsame Entwicklung gegeben hat und ob die Nester erfolgreich gewesen sind.
Das recht späte Ackerhummelvolk, dem zwischenzeitlich durch eine Insektizidvergiftung fast alle Sammlerinnen abhanden gekommen waren, scheint übrigens eine ähnliche Entwicklung zu durchlaufen.

Gruß aus HH
Manfred

Michel

Hallo Manfred,

mmm, das klingt aber seltsam, dass bisher noch keine Geschlechtstiere abfliegen bzw. abgeflogen sind. Hast du mal kontrolliert? Vielleicht liegt auch ein massiver Fliegenbefall vor, sodass alle Kokons aufgefressen werden. Auch bei mir war es am Ende ähnlich, trotz massivem Eintrag von Pollen und gutem Flugverkehr ist eben nichts mehr geschlüpft, weil die Fliegenmaden die Puppen allsamt gefressen haben. Allerdings sind von 240 möglichen Königinnen dennoch 130 erfolgreich geschlüpft, aber eben gegen Ende der Entwicklung ist fast nichts mehr aus den Kokons hervorgegangen, da der Befall der Kokons bei fast 100 % lag!

Mittlerweile sind wieder einige Kokons zur Entwicklung gekommen, noch einzelne Jungköniginnen und vor allen Drohnen schlüpfen nun wieder vermehrt, die Flugzeit dieser Fliege scheint vorbei zu sein.

Habe einige Fliegen-Larven aufgehoben, die sich mittlerweile verpuppt haben. Bin gespannt, welche Fliegenart daraus schlüpft.

Vg,
Michel

Re: Ungewöhnlich langer Lebenszyklus

Hallo Michel,

seit dem 3. September fliegen bei den Erdhummeln Jungköniginnen und auch einige Drohnen konnte ich beobachten. Das Nest zu öffnen wäre ein ziemlicher Aufwand, da der Kasten stark verkotet und mit Ungeziefer besiedelt ist. Um das eigentliche Nest herum befindet sich eine dicke Wachsschicht, offenbar eine Reaktion auf die mittlerweile recht kalten Nächte.
Bei den Ackerhummeln war eine Nestinspektion hingegen möglich, dort sind gesunde Königinnenkokons vorhanden, so dass auch dieses Volk erfolgreich sein wird. Da jetzt das indische Springkraut blüht, brauchen die Ackerhummeln übrigens im Schnitt nur 20 Minuten für einen Trachtflug mit Polleneintrag, so dass trotz schnell kürzer werdender Tage und kalter Nächte genug Nahrung beschafft werden kann.

Was aus den Fliegenkokons für eine Fliege schlüpft, würde mich auch interessieren.

Gruss aus HH Manfred

Re: Ungewöhnlich langer Lebenszyklus

Während die Erdhummeln jetzt dem Ende entgegengehen, haben die Ackerhummeln noch immer Brut und eine aktive Königin und das trotz ersten Bodenfrostes in der vergangenen Nacht und dem Dauerregen am vergangenen Wochenende.
Ein Grund für die guten Überlebenschancen mag das asiatische Springkraut sein, welches auf einer FSC-Referenzfläche in Massen seht und daher dort nicht entfernt werden darf.

Gruss aus HH Manfred

Re: Ungewöhnlich langer Lebenszyklus

Dieses Hummeljahr steckt wirklich voller Überraschungen. Heute haben bei den Ackerhummeln mindestens 3 Jungköniginnen ihren Jungfernflug unternommen und die Arbeiterinnen tragen weiter fleißig Pollen ein. Eine Aufzucht von Geschlechtstieren Mitte Oktober habe ich bisher nicht erlebt und ich glaube, dass das Springkraut hierbei eine wichtige Rolle spielt, ansonsten könnten die Arbeiterinnen in den immer kürzeren Tagen gar nicht genug Nahrung heranschaffen.
Hoffentlich gibt es noch Drohnen für die Paarung, denn männliche Tiere scheinen in diesem Volk nicht aufgezogen zu werden.

Gruss aus HH Manfred