Hallo erstmal! Ich lese hier seit ca. 2 Jahren immer mal wieder mit und finde eure Arbeit echt Klasse. Die Seite ist sehr informativ und hilft mir Argumente für Mitmenschen zu finden, die stachelbewährte Flugtiere zum Fürchten finden. Ich selber bin seit 3 Jahren Hobbyimkerin.
Nun zu meinem "Problem". Vor einer Woche kam ich in den Biergarten und ein Bekannter fragte mich sogleich, warum denn vor unserem Grundstück ein Stück Wabe mit vielen Bienen drauf im Regen liegt. Ich ging sofort nachsehen, und es stellte sich raus, dass das keine Bienen, sondern Wespen waren. Auf dem Stück Wabe saßen einige Wespen. Ich schüttelte sie ab und nahm das Stück Wabe kurzerhand mit in den Biergarten, um mal die Unterschiede zwischen Wespe und Biene zu zeigen. Ich öffnete eine Zelle und heraus kam eine fertige Feldwespe.
Letztendlich nahm ich das Stück Wabe und die Wespe mit nach Hause, legte alles in einen Eierkarton, gab etwas Honig dazu und stellte es auf die leicht laufende Heizung. Am nächsten Tag waren 4 weitere Wespen "geschlüpft", mittlerweile sind es 7 oder 8. Mein Plan war eigentlich, den Karton mit einem Flugloch zu versehen und samt Wespen draussen zu deponieren. Die Temperaturen kommen z. Z. aber kaum über 15° C, daher wagte ich es bisher nicht, den Karton raus zu stellen.
Nun zu meiner Frage: Kann da jetzt noch eine Königin dabei sein? Haben "meine" Wespen noch irgendeine Chance ins nächste Jahr zu kommen? Kann ich den Tieren noch irgendetwas Gutes tun (andere Nahrung außer Honig)"
Grüße, wega
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Feldwespen
Hallo wega,
Dein Verhalten bei den Wespen, noch dazu als Imkerin, ist lobenswert.
Nun zu den Feldwespen:
Bei den Feldwespen sind alle Tiere fertil, also fortpflanzungsfähig.
Als Königin fungiert nur ein Alphaweibchen.
Adulte Tiere brauchen zum leben Kohlehydrate, also Süßes.
Die Fütterung mit Honig ist richtig.
Feldwespen sind Wärme liebend in der Brutzeit.
Zum Überwintern reicht ein kühler geschützter Platz.
Zum Hochzeitsflug solltest Du sie bei schönem Wetter ausfliegen lassen.
Kommen sie dann nicht mehr zurück, ist es auch gut, sie suchen sich dann ein Winterquartier.
Liebe Grüße crabro
War kein Tier auf der Wabe?
Denn ganz so einfach ist das nicht - nur die Königinnnen sind verpaart; die Arbeiterinnen legen also allenfalls unbefruchtete Eier. Um diese Zeit im Jahr dürfte es auch keine rangniederen Königinnen im Nest mehr geben. Also werden allenfalls Männchen herangzogen sofern keine Königin dabei - was ja vermutlich der Fall war da offenbar kein Tier auf der Wabe. Mit dem Abschütteln hast Du diese wohl mit entfernt (die sind bei Feldwespen kaum zu unterscheiden von den Arbeiterinnen). Ich würde das Nestchen wieder an den alten Standort bringen und hoffen, daß sich die Königin wieder einfindet - aber wenn das schon Tage her ist, bringt das auch nichts mehr, fürchte ich...
Melanie
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Hallo crabro, Hallo
Hallo crabro, Hallo Melanie,
erst mal Danke für Eure Antworten.
Ich konnte leider nicht erkennen, aus welcher Ecke des Gebäudes das Nestchen gefallen war, bzw. ob es überhaupt von dort stammt (was aber wahrscheinlich ist, da sich ja einige Tiere auf der Wabe befanden). Nehmt Ihr an, dass diese Stück das komplette Nest war? Sind die um diese Zeit nicht erheblich größer?
Bis Samstag waren es ca. 10 Wespen, die ich nun nicht länger eingesperrt halten wollte. Es gab auch keine verdeckelten Zellen mehr. Ich entfernte eine Ecke des Eierkartons und stellt ihn in ein Einwabenschutzhäuschen meiner Bienen. Falls sich unter den geschlüpften Wespen eine oder mehrere Jungköniginnen befinden, können Sie sich ja zum Hochzeitsflug begeben, zurückkommen oder sich einen anderen Unterschlupf suchen.
Melanie, du schreibst, dass sich um diese Jahreszeit keine weiteren Königinnen auf dem Nest befinden dürften. Wenn da jetzt "nur noch" Arbeiterinnen schlüpfen, würde also außer der Altkönigin keine weitere Wespe überwintern?
Ansonsten empfand ich in diesem Jahr, dass bedeutend weniger Wespen unterwegs waren. Unser Haus und die Nebengebäude sind mit wildem Wein bewachsen. Wenn der blüht, sieht man gut, wer so alles in der Gegend wohnt. In diesem Jahr "brummte" die Blüte nicht so doll wie sonst.
Liebe Grüße, wega
Feldwespen
Hallo wega,
nach meinem dafürhalten hast Du alles richtig gemacht.
Feldwespen haben nur eine Wabe und die Wabe hat keine Hülle.
Nachdem keine Tiere mehr auf der Wabe waren, gab es weder Königin noch Arbeiterinnen.
Die Tiere, welche in Deiner Obhut geschlüpft sind, sind fertile Weibchen und Drohnen.
Wenn diese die Möglichkeit zur Hochzeit haben, werden sie im nächsten Jahr ein neues Nest gründen.
Scheinbar bist Du auch Imkerin, da ist Dein Verhalten besonders lobenswert.
Die meisten Imker sehen nur den Honig und Wespen sind für sie ein Nichtsnutz oder gar ein Schädling.
Liebe Grüße crabro
Feldwespen
Hallo crabro!
Dann muss ich jetzt leider feststellen, dass ich doch einen Fehler gemacht habe. Beim Aufheben der Wabe habe ich die ansitzenden Tiere abgeschüttelt. Als ich nach einer Stunde an der Stelle vorbei kam, waren alle verschwunden und ich dachte, dass sie ins Nest zurückgekehrt sind. Den Nestursprung konnte ich nicht erkennen (umlaufende Attika einer Halle mit freiliegenden Trägern). Die Wabe war auch klitschnass, da sie einige Zeit im Regen lag.
Ich muss sagen, dass in meiner Imkerzeit noch keine größeren Probleme mit Wespen hatte. Ab und zu kommt mal eine, pflückt sich eine Biene vom Flugloch und zerlegt sie dann fachmännisch. Kopf und Hinterteil der Biene werden von der Wespe abgeknipst und der mittlere Teil mit der Flugmuskulatur wird fort geschafft.
Ein bisschen kann ich die Imker verstehen, bei denen große Wespenvölker die Bienen als einzige Eiweißquelle nutzen und denen dann im Minutentakt die zurückkehrenden Sammlerinnen (die nehmen die Wespen am liebsten) weggefangen werden.
So, jetzt muss ich aber raus. Heute ist seit langer Zeit ein etwas wärmerer Tag und ich habe noch einiges an den Bienen zu erledigen.
Liebe Grüße,
wega
Ein kleiner abschließender Bericht:
Die Feldwespen verließen nach und nach die Ersatzbehausung und kamen auch nicht zurück. Eventuell hat es ja die eine oder andere zur Begattung geschafft - wäre schön. Mittlerweile konnte ich den Ursprung des kleinen Nestes ausmachen. Auf der bereit beschriebenen Attika befindet sich eine Blechabdeckung, die abgewinkelt einen Spalt von ca. 5 cm bildet. In diesem Spalt befinden sich sehr viele Nester der Feldwespen. Bis vor kurzem waren noch einige bewohnt. Ich finde es erstaunlich, dass die Tiere kaum wahr genommen werden, Menschen bewegen sich in ca. 3 m Entfernung unter den Nestern und bisher hat sich niemand daran gestört, bzw. sind sie wirklich schwer zu erkennen.
Außerdem verhalf Eure Seite einigen Bienenwölfen zum Überleben. Einige Tage nachdem der Beitrag über die unerwünschten Bienenwölfe erschien, kam ein Kollege mit der Frage zu mir, ob es Bienen oder Wespen gibt, die in der Erde nisten bzw. zwischen Pflastersteinen wohnen. Und wie wir die wohl am schnellsten "weg bekommen". Er kehrte wohl seit einiger Zeit immer mal wieder den Sand in die Fugen zurück und wurde dem überdrüssig. Ich sah mir das ganze an und erkannte den Bienenwolf. Mein Kollege bekam den Wikipedia-Artikel zum Bienenwolf zu lesen und ein Verbot, diese zu stören. Gemeinsam beobachteten wir dann, wie die einzelnen Brutröhren bewacht werden und auch erbeutete Bienen herangeschleppt wurden. Auch wurde die Befürchtung, dass sich das Pflaster absenkt und unser Gabelstapler mit der empfindlichen Keramikware hoppeln lässt, bisher nicht bestätigt. Seit der letzten Woche ist nun Ruhe in den Pflasterfugen. Ich freue mich schon auf die nächste Bienenwolf-Generation.
Und noch eine kleine Anekote aus dem Frühjahr. Eine Kollegin interessierte sich für Bienen, insbesondere Königinnen. Ich zeigte ihr eine verstorbene Königin und dazu im Vergleich Arbeiterinnen. Ein paar Tage später bekam ich einen panischen Anruf. "Eine deiner Bienen schwirrt hier im Büro rum, und zwar ne ganz grosse! Fang die ein!" Nach Einfangen mit Wasserglas an der Fensterscheibe und Erklärung, dass es sich um eine Wespenkönigin handelt, die jetzt um diese Zeit einen Nistplatz sucht, bekam ich den Hinweis, dass das keine Königin sein kann, da sie keinen grünen Punkt auf dem Rücken hat. :-)
Liebe Grüße,
wega